Music

The Mattson 2

Das folgende Interview sind die Worte von Jared Mattson, Gitarrist von „ The Mattson 2“.

Könntet ihr euch bitte für die Leser, die euch nicht kennen, zunächst einmal vorstellen?

Hallo, Deutschland! Wir sind „The Mattson 2“. Jonathan Mattson ist sowohl der Schlagzeuger als auch mein Zwillingsbruder. Ich bin Jared Mattson und ich fühle mich geehrt, ein Bestandteil an der Gitarre sein zu dürfen. „Stokage“  ist Kalifornien-Slang für Glück/Spannung. Wir sind beide für die Kompositionen verantwortlich.

In Cali aufzuwachsen ist schon etwas Besonderes. Zu welchem Board fühltet ihr euch als Erstes hingezogen, oder weckten immer nur Instrumente euer Interesse?

Es ist egal, wo jemand geboren wird, denn Menschen sind erstaunliche Kreaturen. Ich denke manchmal, in Kalifornien aufzuwachsen ist ein zweischneidiges Schwert. Ich wuchs mit einigen zuverlässigen Freunden auf, die nie etwas Aufregendes gemacht haben oder etwas erschufen, weil sie lieber nur in der Sonne faulenzten und nichts taten, was cool ist. Aber ich bin fasziniert von Menschen, die eine Leidenschaft haben und die bereit sind, um jeden Preis Sachen zu bewegen. Das ist nicht einzigartig in Kalifornien. Schöpfung ist eine menschliche Notwendigkeit (auch wenn es ein Kreisdiagramm oder ein Papierfußball ist) und die Leute müssen etwas tun. In jungen Jahren waren mein Bruder und ich mehr am Skateboarden interessiert als am Musikmachen. Es stand eine alte Gitarre im Haus rum und aus diesem Grund meldete unsere Mutter, als wir zwölf Jahre alt waren, zum Gitarrenunterricht an. Wir mochten Musik, schon lange bevor wir Instrumente spielten. Das ist der Schlüssel: von etwas angetan zu sein und dann den Wunsch zu haben, etwas Neues zu entwickeln, was man liebt. Originalität ist angeboren und wenn das Herz beteiligt ist, wird schließlich etwas passieren. Der Anfang ist, dass man jemanden kopiert oder etwas nachspielt, was man liebt.

Wie beschreibt ihr eure Musik? Es sind ja nicht nur Jazzinspirationen und -einflüsse, die man hören kann.

Wir versuchen nicht, unsere Musik zu klassifizieren … Klassifikationen bringen dem Zuhörer Einschränkungen, So ändern sich ihre Perspektiven und Erwartungen. Wir wollen nicht, dass Menschen bestimmte Erwartungen haben, aber wir wollen etwas für unser Publikum, das es genießen und mit nach Hause nehmen kann. Unsere Musik ist ein Ergebnis vieler unterschiedlicher Einflüsse. Unsere Grundlage und die geschmackvollen Improvisationen kommen sowohl aus unserer Liebe zum Jazz als auch aus unseren Jazz-studien. Ich vergöttere Jazzharmonien und nutze viele Jazzgitarren-Intonationen und 
-Konzepte. Unsere Energie und Eingängigkeit kommt von unserer Liebe zu Punk, Rock, No Wave und New Wave (das hat mich gezeichnet, haha). Ich mag den psychedelischen Aspekt der „Phase Pedals“ die den Ton erweitern und den Zuhörer ansaugen, das ist das Gleiche wie ein Kinderlied trällern. Viele melodische Ideen kommen beim Spielen auf meiner Gitarre, ich mag es, Sänger und Saxophonisten zu imitieren. Jazz gab uns eine Umgangssprache, die viele Menschen in unserem Kreis nicht haben, und er gab uns die Möglichkeit, einen Schritt weg vom Rock zu machen. Wir fügten einige verzwickte und OFF-THE-WALL-artige Harmonien dazu. Aber ich würde uns wirklich nicht als Jazzband bezeichnen.

 Ihr arbeitet hin und wieder mit zwei Skateboardlegenden zusammen (Ray Barbee und Tommy Guerrero). Wie kam es dazu?

Das begann, als wir 15 Jahre alt waren. Unser älterer Bruder Micah Mattson war ein legendärer Skateboarder in unserer Heimatstadt Encinitas (nördliches San Diego). Jetzt ist er Zugführer für Amtrak! Ein Typ namens Thomas Campbell machte oft Skatefotos von Micah für „Transworld Skateboarding“. Thomas holte Micah eines Tages ab und hörte, wie wir in unserem Zimmer spielten. Wir hatten keine Ahnung, dass Thomas Campbell später unser Musikproduzent und unser „Ticket“ zu einer Welt sein würde, die wirklich verstand, was wir musikalisch versuchten zu tun. Die meisten der Jungs, die zu den frühen Thomas–Campbell-Shows kamen, waren Skater. Es war bei einer Eröffnungsparty in L. A., wo wir Ray und Tommy kennenlernten. Sie haben uns gehört und waren gefesselt – damals und auch von dem was wir jetzt tun. Nun spielen wir seit zwölf Jahren mit Ray zusammen und unser Leben hat sich verändert. Wir haben es nur unserem Bruder und Thomas zu verdanken, dass wir hier sind. Thomas sah unser Talent und hat uns geholfen, es zu schärfen.

Was sind eure nächsten Projekte? Wie sehen die Pläne für 2014 aus?

In diesem Monat werden wir ins Studio gehen, um unsere neue „The Mattson 2“-LP „Cascade“. aufzunehmen.

Da ihr ja nur zu zweit seit, wie arrangiert ihr bei Live-Auftritten die Sounds? Auf euren Studioaufnahmen hört man ja mehr Instrumente.

Die Methoden für die Live-Orchestrierung sind meine eigenen Geheimnisse (hehe). Ich habe zwei kleine rote Boxen und all die anderen Pedale und die machen aus meiner Gitarre ein Orchester. Ich höre bestimmte Dinge in meinem Kopf und habe zehn Jahre damit verbracht, diese mentalen Sounds über Effektpedale in der „realen“ Welt zu modellieren. Ich bin in der Herstellung, das Schichtverfahren ist ein Teil des kompositorischen Rahmens. Wenn die Zuhörer die Musik hören, denken sie nicht: Oh, wow, der Kerl loopt das alles.“ Was sie normalerweise denken, ist: Wie bekommen diese beiden Jungs immer so einen vollen Klang hin?“ Im Studio benutzen wir eine Menge Overdubs und mieten uns Musiker für Hörner, Piano oder Saiteninstrumente. In einer Live- Einstellung ist es schwieriger, die gleichen Orchestrierungen zu erreichen. Darum sind Jonathan und ich so aufgeregt,  die Aufnahme von „Cascade“ zu starten. Wir werden alles auf eine Achtspur-Bandmaschine aufnehmen , und es wird zu 90 % live eingespielt mit ein paar minimalen Overdubs. Abgesehen von der Beschäftigung des erstaunlichen Farmers Dave Scher werden alle Töne von „The Mattson 2“ ohne andere Musiker sein.

Was war das schönste Erlebnis in eurer Musikgeschichte?

Die Möglichkeit, Musik als Zwillingsbruder-Duo zu machen. Die Verbindung ist so stark und wir haben telepathische Anlagen, die nicht viele andere Musiker haben. Der Zugang zu unserer Verwandtschaft bringt wirklich Brennstoff in unsere Musik. Ein weiterer Höhepunkt und ein Privileg ist, mit Thomas Campbell zu arbeiten. Er ist ein sehr inspirierender und kreativer Mensch.

Als Letztes würde ich gern erfahren, ob ihr ein spezielles Ritual vor einem Auftritt habt.

Ja, wir halten uns an den Händen und trinken Bier oder wir verschränken die Arme ineinander und trinken einen Tequila Shot.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

Text: Andre’ Möller  Foto:……